Kein Verein, keine Partei oder sonstige Institution wird aus dem Nichts gegründet, immer geht ein gemeinsames Interesse oder Ideal voraus. Nicht anders verhält es sich auch bei dem im Jahre 1929 gegründeten Musikverein Ersingen. Es ist bekannt, dass schon vor mehr als 100 Jahren, um genau zu sein, im Jahre 1890 eine Kapelle gegründet wurde. Sicher hatten die Gründer den Wunsch selbst Töne meistern zu können.

Zu feierlichen Anlässen holte man sich öfters Kapellen von auswärts in den Ort, so ist bekannt, dass die „Harmonie“ aus Pforzheim hier oft musizierte. Auch Militärkapellen, wie die der Ulanen aus Ludwigsburg oder der Artillerie aus Karlsruhe Gottesau hatte man zu Gast. Aber auch die vielen Straßenmusikanten, vor allem aus der Pfalz, die zum täglichen Straßenbild gehörten, werden den jungen Leuten Ansporn gewesen sein selbst Musik zu machen.

Nicht zuletzt, war es sicher auch der Reiz, mit dem musizieren Geld zu verdienen. Vier Mal im Jahr waren öffentliche Tanzvergnügen erlaubt, das war am zweiten Weihnachtsfeiertag, an Kaisers Geburtstag (27. Januar – Kaiser Wilhelm II.), am Ostersonntag und vor allem an der Ersinger „Martine“ Kirchweih.

Schon die kleine Anzahl von Gründern, es waren: Max Aydt, Franz Klingel, Wendelin Schuster, Otto Wolf, Wilhelm Kauselmann, Christian Reiling und Leonhard Vögele, lassen den Schluss zu, dass es sich nicht um eine Kapelle im heutigen Sinn gehandelt haben kann, sondern ganz einfach um eine Tanzbesetzung.

In Herrn Läubin aus Pforzheim fand man den Lehrer der bereit war, den jungen Leuten am Sonntag Unterricht zu erteilen. Bald fanden auch andere Freude an der Musik, so dass um die Jahrhundertwende zwei Kapellen bestanden. Während die eine Kapelle nur mit Blasinstrumenten besetzt war, war die andere mit Klavier und Violine besetzt. Die Besetzungen waren so klein, dass man nur Tanzmusik aufspielen konnte.

Als man sich im Jahre 1909 zusammenschloss, konnte man sich auch konzertanter Musik widmen. Erst jetzt kann man also von einer Kapelle im heutigen Sinn sprechen. Wie aus dem Protokollbuch zu erfahren ist, wurden bald in den Sälen der Ersinger Gasthäuser Konzerte gegeben, ja sogar außerhalb des eigenen Ortes zeigte man sein Können.

Der damalige Eintrittspreis betrug 30 Pfennige, was aber gar nicht so wenig war, wenn man den damaligen Verdienst eines Fabrikarbeiters in Relation stellt. Der Zusammenschluss war vor allem dadurch zustande gekommen, dass man im Zuge jener Zeit im Ort eine Feuerwehrkapelle haben wollte. Im Jahre 1910 wurde die hiesige Freiwillige Feuerwehr gegründet, in die sich die neue gegründete Kapelle einfügte. Die Blasmusiker jener Zeit waren fast alle in die örtlichen und auch städtischen Feuerwehren integriert, so dass noch heute ältere Leute, wenn sie von einer Blasmusik reden, ganz einfach den Begriff Feuerwehrmusik verwenden. Die Kapelle war verpflichtet, bei der Hauptübung der Feuerwehr Marschmusik zu spielen, ebenso die Trauermusik bei der Beerdigung eines Feuerwehrmitgliedes bei aktiven und passiven Mitglieder gleichermaßen, auch bei Festen und Abendunterhaltungen war die Kapelle zur Mitwirkung verpflichtet.

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